Philipp Hort

PHILIPP HORT
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Sinn-Bilder

 

Bilder sind ein Phänomen, das mich fasziniert. Die künstlerische Fotografie und das Ineinander-in-Beziehung-setzen von Bildern stellen den Kernpunkt meiner aktuellen Arbeit dar. Obwohl Bilder unmittelbar sind und des Wortes nicht bedürfen, stellet sich die Frage - Was ein Bild ist? Ist es „nur“ Abbild von etwas oder entwickelt es ein Eigenleben, eine eigene Seinsweise, die über die reine Abbildung hinausreicht und nach Deutung verlangt. Mein Interesse liegt an dieser Innerlichkeit von Bildern. Doch vor allem versuche ich zu ergründen, welche Bilder sowohl allein in sich als auch im Zusammenklang mit anderen Bildern wirken.

 

Bilder können ein allumfassendes sinnliches Erlebnis sein. Sie sprechen nicht nur den visuellen Sinn an sondern auch die anderen Sinne, so können sie laut, leise, offen oder verschränkt sein. Sie können eine Farbe assoziieren oder einen bestimmten Geschmack oder Geruch. Sie können tiefes seelisches Empfinden hervorrufen, aber auch Leere hinterlassen. Diese innerlichen Aspekte versuche ich zu erfassen, zu einem System zu formieren und zu kombinieren. Mitunter empfinde ich das Ergebnis als eine Variation von Sinneseindrücken und eine Komposition mit einer angemessenen Anzahl von Strophen und einer Melodie, die nachklingt. Dann hat das kombinierte Bild in sich einen Sinn, den zu erspüren vermag, wer sich darauf einlässt.

 

Meine Einzelarbeiten sind oft gänzlich verschiedene Seins-Typen, sie bilden Architektur, Landschaften, Straßenszenen, Wohnungen, abstrakte Formen, Bilder mit und Bilder ohne Menschen ab. Immer wieder, wenn ich solcherart Bilder nach formalen oder inhaltlichen Kriterien installiere, stelle ich fest, das es einen Punkt gibt, an dem die Arbeit auszubrechen droht und ein Eigenleben beginnt, einen Charakter zeigt, etwas Wesenhaftes entwickelt. An diesem Punkt versuche ich die Wirkung der Momentaufnahmen und bildlichen Versatzstücke zu verstärken und ihr eigentliches Sein zum Ausdruck zu bringen, indem ich die Einzelarbeiten interagieren lasse. Die rein visuellen Sinneserfahrungen werden zu einer metaphysischen Bildsprache. Vielleicht kann man diese Art der Bildzusammenstellung vergleichen mit Musikformen oder einem mehrstrophigen Gedicht. Jedes Instrument beziehungsweise jede Strophe sprechen zwar für sich, aber erst das Zusammenspiel, das innere Sichhineinversetzen zwischen die Instrumente und Zeilen macht das Erlebnis außergewöhnlich.

 

Trialog Künstler – Kunstwerk –Betrachter

 

Die Bildanthropologie setzt voraus, dass der Mensch ein Bedürfnis nach Bildern hat.1 Wenn es auch nicht meine Aufgabe sein kann, solcherart bildwissenschaftliche und bildphilosophische Thesen zu bestätigen, so liegt es doch auf der Hand, dass Menschen seit Beginn der Zivilisation ein enges Verhältnis zu Bildern haben, sei es aus religiösen, künstlerischen oder privaten Gründen. Und natürlich glaube ich, dass auch in der allgegenwärtig bildgeprägten Welt der Gegenwart künstlerische Bildprodukte existentiell wichtig für die kultivierte Menschheit sind. Die Fotografie bildet neben der Malerei, Plastik, Performance oder Videokunst keine Ausnahme. Die Interaktion zwischen Bild und Betrachter ist ein Prozess, der auch für die künstlerische Fotografie von besonderer Relevanz ist.

 

Ein Bild ist ein Riss im Sein – und diesen Riss spürt der Mensch auch in seiner eigenen Existenzweise.2

 

Platon beschreibt das Bild als etwas nicht Nicht-Seiendes, das in jeglicher Erscheinungsform immer nur Abbild des wahrhaft Seienden, dem Urbild der Idee sein kann. Egal, ob man ein Bild nun als reines Abbild versteht, als eine Darstellung des Originals oder als etwas, das auf etwas anderes verweist, den Bildern wohnt immer ein selbständiger Inhalt inne. Beim Blick auf die Interaktion zwischen Bild und Betrachter liegt unser Blickwinkel zunächst in alter Gewohnheit auf dem Betrachter als dem Subjekt. Doch die oben angesprochene Selbständigkeit des Werkes und dessen Eigenleben lassen auf dem zweiten Blick schnell erkennen, dass das Bild auch vom Objekt zum Subjekt werden kann, vor allem wenn eine bilaterale Imagination stattfindet, so zum Beispiel, wenn es dem Künstler gelungen ist, das Bild als eine von innen heraus sich selbst verstehende Wirklichkeit zu gestalten und auf Seiten des Betrachters ein Einlassen auf diese bildspezifische Wirklichkeit erfolgt. Der Betrachter erfährt beim Anblick der an ihn gerichteten Bilder, deren Zusammenstellung durch den Künstler assoziativ erfolgte, selbst Assoziationen, die eine geistige Erfahrung ermöglichen, aber nicht ausschließlich im Werk selbst vorgegeben sind. Je nach Wesenhaftigkeit und Erfahrungshorizont, Gemütslage und Innenleben des Betrachters können die inneren Einsichten unendlich verschieden sein. Jeder Konsument von Kunst macht auf diese Weise entsprechend seinem Wesen und Abstraktionsvermögen eigene Erfahrungen im Umgang mit Bildern, Bildinstallationen bzw. Kunstwerken überhaupt. Diese sind nicht generalisierbar und hier soll nur festgehalten werden, dass jeder Mensch im Grunde genommen Kunst auf seine Weise erfahren darf, ohne dass er über das Herkommen, den Zusammenhang, die Mehrgliedrigkeit des Kunstwerkes aufgeklärt werden muss.

 

1 Vgl. Hans Belting, Bild-Anthropologie. Entwürfe für eine Bildwissenschaft, München 2001.

2 Gernot Böhme, Theorie des Bildes, München 1999, S. 7.

 

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